Ihr Lieben!
Was gibt's Neues aus dem schönen schweizer Dörfli? Köbi und ich haben sturmfreie Bude, weil Papa Arne seine Töchter in den USA besucht. So nutzen wir die Gelegenheit, um den Garten ein wenig frühlingsfrisch zu machen: Ich planze die Blumen ein, Köbi zieht sie wieder raus und freut sich. Gestern saß er plötzlich in einem großen Pflanzenkübel, bei dem erst der Boden mit Erde bedeckt war. Er freute sich tierisch über den Sand, der ihm dann aber doch nicht besonders gut schmeckte...
Meinen Haustürschlüssel hatte ich mir mit einem Karabinerhaken an die Hose geklippt, um ihn nicht zu verlieren. Irgendwann spielten wir fangen auf dem Rasen und der Kleine schmiss sich auch mich. Ich bekam ein Küsschen und dann entdeckte er meinen Schlüssel an der Hose und begann daran zu ziehen. Völlig verblüfft war ich, als er immer wieder sagte "da! düssel! düssel!". Ich dachte erst ich hätte mich verhört!
Am letzten Mittwoch hat sich unser Köbi als richtiger Lausbub mit Witzbold-Gen entpuppt: Mit einer Freundin und ihrem kleinen Sohn war ich in einem tollen Café in der nahegelegenen deutschen Stadt. Wir saßen in der Lounge auf schönen tiefen Sesseln an einem niedrigen Tisch und tranken Milchkaffee. So schön das auch aussah: So tiefe Tische sind für uns zur Zeit echt unpraktisch! Köbi lief von Tisch zu Tisch und pustete erstmal alle Kerzen aus. Gut, ich kenne das ja schon, aber für Außenstehende muss es echt lustig aussehen, wenn ein kleiner Krümel, der gerade einmal laufen kann, von Tisch zu Tisch wetzt und die Kerzen ausbläst. Dann drehte er sich regelmäßig zu mir und schimpfte laut mit sich selbst: "Nein, nein! Nein, nein!"
Irgendwann fand er mein leeres Milchkaffeeglas interessant, räuberte es und versuchte krampfhaft, den Rest des Milchschaums herauszubekommen. Er lief mit dem Glas durch die Lounge und hielt es immer mal wieder hoch über den Kopf und schaute rein. Die anderen Gäste schauten bereits vorwurfsvoll, so nach dem Motto: "Mutter, kümmer dich um dein Kind, sonst lässt es gleich das Glas fallen!"
Ich war mir sicher, dass Köbi es nicht fallen lassen würde, aber irgendwann übermannte mich dann doch das schlechte Gewissen und ich ging zu dem kleinen Mann: "Jakob, gib Mama doch bitte das Glas zurück!"...
Jakob grinste, drehte sich um und stiefelte mit dem Glas in der Hand davon. Normalerweise hätte ich es ihm gelassen und mich wieder hingesetzt, aber mit den vorwurfsvollen Blicken im Rücken?? Nun konnte ich nicht mehr zurück und ging hinter ihm her. "Jakob, bitte! Das Glas!" Ich beschleunigte meine Schritte und als ich ihn fast eingeholt hatte, blieb er stehen, drehte sich zu mir um. Ich streckte die Arme aus und sagte nochmal: "Jakob, gib es mir bitte!"
Er lachte schelmisch, dreht sich um, lief drei schnelle Schritte und...
...holte aus und pfefferte das Glas mit voller Wucht und vor allem mit voller Absicht auf den Boden, wo es in tausend Scherben zersprang!
Oh, oh! Wäre ich bloß in dem bequemen Sessel sitzen geblieben und hätte mich nicht von vorwurfsvollen Blicken provozieren lassen, so hätte dieses Café jetzt möglicherweise noch ein Milchkaffeeglas mehr in ihrem Regal stehen.
Was steht heute an? Wir wollen uns noch ein wenig im Garten betätigen, ich brauche noch Schuhe für die Hochzeit und am Nachmittag treffen wir Fritzle und Mama auf dem Spielplatz.
Jetzt muss ich aber erstmal zu Jakob. Der meckert nämlich schon: "Mama, da Pupu!" und zeigt auf seine Windel...

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